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Schon kurz bevor wir zu unserer großen Südamerika-Reise aufgebrochen sind, hat uns der Freund unserer Tochter per WhatsApp ein absolut irreal wirkendes Bild zugeschickt – ein in den buntesten Farben leuchtender Bergrücken, der sich irgendwo in Peru befinden soll. Das Foto hatte er auf Instagram gefunden.
Wir hatten daraufhin nach Informationen gesucht, doch die waren sehr spärlich gesät. Ein paar englischsprachige Websites, die von einer abenteuerlichen Bergtour in einer entlegenen Region und in großen Höhen berichteten, doch ansonsten? In unseren Reiseführern fanden wir nichts über die Rainbow Mountains…

Jetzt sind wir schon einen Monat unterwegs in Peru, haben uns schrittweise an die enormen Höhen in den Anden gewöhnt, in der Nähe von Huaraz erfolgreich eine Wanderung bewältigt, die uns auf gut 4.600 Meter hinauf geführt hat und sind mittlerweile in Cusco, dem touristischen Hotspot des Landes, angekommen.
Klar, Machu Picchu will jeder sehen, der hierher kommt, die vielen anderen Ruinenstätten in der Umgebung sind auch interessant und die Stadt selbst hat ebenfalls einiges zu bieten. Doch beim Streifzug durchs Zentrum fällt uns auf, dass die zahlreichen Touranbieter fast alle auch einen Tagesausflug zu den Rainbow Mountains bewerben.

Also machen wir uns schlau – und erfahren, dass die Tour pro Person gerade mal 90 Soles, also weniger als 25 Euro kostet. Aber ist sie für uns zwei – 49 und 51 Jahre alt und ohne besondere Hochgebirgserfahrung – überhaupt machbar? Es soll immerhin auf über 5.000 Meter hinauf gehen! Der Typ in der Agentur, ein lässiger junger Portugiese, beruhigt uns: „Kein Problem – wenn ihr schon ein paar Tage in Cusco seid, dann habt ihr euch ja an die Höhe schon gewöhnt!“

Also gut, wir buchen die Tour und stehen ein paar Tage später zu nachtschlafender Stunde, um drei Uhr morgens, vor dem Wohnblock, in dem sich das über AirBnB gemietete Zimmer unserer freundlichen peruanischen Gastfamilie befindet, und warten fast eine Stunde zunehmend genervt darauf, dass wir abgeholt werden. Als wir schon damit rechnen, dass die ganze Geschichte ins Wasser fällt, kreuzt plötzlich ein Taxi auf. Der Fahrer fragt uns, ob wir Jana und Wolfgang sind. Okay? Dann bitte einsteigen – er bringt uns vor zur Hauptstraße, und dort wartet tatsächlich ein Kleinbus, in dem gerade noch zwei Plätze frei sind. Alle anderen Mitfahrer wohnen irgendwo in der Innenstadt in Hostels und Hotels, und die wurden zuerst abgeholt.

Es beginnt eine dreistündige, halsbrecherische Fahrt Richtung Südosten. Der Fahrer überholt alles, was unterwegs ist, und jagt zum Schluss eine holprige, schmale Schotterpiste ins Gebirge hoch, sodass wir uns ernsthaft fragen, ob wir unser Ziel lebend erreichen. Doch alles geht gut: Kurz nach sieben Uhr haben wir das winzige Bergdorf Quechuyno, in 4.200 Metern Höhe vor der traumhaften Kulisse des schneebedeckten Ausangate gelegen, erreicht. Wir sind hier allerdings nicht die einzigen Gäste: Außer uns haben noch sechs andere Kleinbusse ihre Passagiere ausgeladen; gemeinsam erhalten wir in einem provisorischen, zeltartigen Unterstanden unser Frühstück, werden von den Guides in verschiedene Wandergruppen eingeteilt (unsere trägt den schönen Namen Champions) und vor dem Aufbruch gleich einmal gefragt, ob wir die Dienste eines Pferdes in Anspruch nehmen wollen – es sind nämlich 900 Höhenmeter zu bewältigen, und da wir in der Gruppe bleiben müssen, darf der Aufstieg nicht länger als drei Stunden dauern!

Fürs Erste schütteln alle heldenhaft den Kopf – doch nach dem ersten steilen Anstieg, eine gute Viertelstunde später, kann man sich noch einmal entscheiden, ob man nicht doch auf ein von einem Bergbauern geführtes Pferd umsteigt. Und da beschließt Jana, bisher ohne Reiterfahrung, sich in den Sattel zu schwingen – die Höhe allein wäre nicht das entscheidende Problem, aber das angeschlagene Marschtempo…

Wie sich in der Folgezeit erweist, wäre das gar nicht unbedingt notwendig gewesen. Die nächsten zwei Stunden laufen wir nämlich durch ein relativ flaches Hochgebirgstal, dessen schüttere Steppen von Alpakas, Lamas und Schafen beweidet werden – bis vor Kurzem die einzigen Lebensgrundlagen der Einheimischen, die hier noch wie eh und je ohne Strom und fließendes Wasser leben.

Der Tourismus hat hier erst vor knapp einem Jahr eingesetzt: Seit Anfang 2016 werden die Touren zum Vinicunca – so heißt der Rainbow Mountain nämlich tatsächlich – angeboten; sein Name ist noch so unbekannt, dass bis dahin noch nicht einmal in der spanischsprachigen Wikipedia ein Artikel existiert. Dennoch hat das Auftauchen der Bergwanderer bereits jetzt einiges verändert: Die Gemeinde Pitumarca, auf deren Gebiet wir unterwegs sind, erhebt pro Person eine Art Eintrittsgebühr von 10 Soles, es gibt unterwegs ein paar Verschläge, in denen Getränke und Snacks verkauft werden, und auch ein paar Plumpsklos wurden errichtet.
Die Nachbargemeinde Cusipata sieht diese Entwicklung mit Argwohn: Sie reklamiert die Zuständigkeit über Vinicunca für sich und möchte in diesem Gebiet Lizenzen zum Kupferabbau vergeben. Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Folgen das für dieses einmalige Stück Natur haben würde…

Irgendwann, inzwischen sind wir auf 4.900 Metern angekommen, wird der Pfad wieder sehr steinig und steil. Hier ist Schluss für die Pferde: Ab sofort müssen alle zu Fuß weiter, und das in einer Höhenlage, wo jeder Schritt schwer fällt, weil die Luft inzwischen wirklich richtig dünn ist! Der Rest des Weges ist nun eine reine Willenssache. Doch einmal in der Sohle des Gipfelgrates angekommen, zweifelt keiner daran, ob er den Schlussanstieg auf einen Gegenhang des Vinicunca, von dem aus das perfekte Panorama zu erleben ist, in Angriff nimmt: Zu überwältigend ist die Farbenpracht, die sich uns auftut, schon hier – und sie wird noch fantastischer, als wir schließlich nach gut drei Stunden den Aussichtspunkt endgültig erreicht haben!

Unglaublich, dass es derart bunte Berge gibt! Die wissenschaftliche Erklärung klingt nüchtern: Die rote Farbe ist auf Eisenoxid zurückzuführen, die grüne auf Kupferoxid, das Gelb kommt vom Schwefel und die schwarzen Streifen erklären sich durch Granit. Doch dass sich diese verschiedenen Mineralien in derart gleichmäßigen Streifen über einen ganzen Berg gelegt haben, ist ein unvorstellbares Naturwunder – und dass die umliegenden Gebirgszüge in ähnlich bunten Farben erstrahlen, einfach traumhaft! Vollendet wird die Explosion der Farben durch das Weiß des Gletschers auf dem fast 6.400 Meter hohen Ausangate und das intensive Blau des Himmels.

Das allerdings verschwindet nun nach und nach hinter dichten, dunklen Wolken – als wir uns gegen elf Uhr auf den Rückweg ins Tal begeben, fängt es bald danach zu regnen an. Und wir verstehen nun besser, warum unser Fahrer heute morgen gar so rasant unterwegs war: Es ist hier ganz normal, dass das Wetter im Laufe des Tages schlechter wird – nur wer früh kommt, hat die Chance auf tolle Bilder!

Mein Geheimtipp:

Mindestens vier bis fünf Tage vorher in Cusco eintreffen, um sich an die Höhe zu akklimatisieren! Und – macht euch bald auf zum Vinicunca, Geheimtipps bleiben selten lange welche, wenn sie mal im Internet zu finden sind!

Weitere Reiseberichte und Reisetipps von Wolfgang Römer hier:

roemersreiseblog.com/

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