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Dieser Artikel ist ein Beitrag für den Enchanting Travels Blogger Award 2017. Mit diesem möchten wir alle Bloggerinnen und Blogger unterstützen, die unsere Leidenschaft teilen und über die kleinen und großen Abenteuer in fernen Ländern berichten. Hier in unserem Reiseblog veröffentlichen wir die besten Einsendungen. Der Gewinner wird per Abstimmung auf unserer Facebookseite bestimmt.

Da stehen wir plötzlich, umgeben von einer Eskorte Polizisten, etlichen Regierungsbeamten und zwei Übersetzern. Mitten in Vietnam, einem der touristischsten Länder Südostasiens, das jährlich von knapp acht Millionen Reisenden besucht wird. Nein, damit haben wir wirklich nicht gerechnet. Sollte es in Vietnam tatsächlich noch Dörfer geben, die noch nie zuvor ein Westler zu Gesicht bekommen hat? Wir können es nicht glauben bis wir selbst dort sind, mitten im Yen Minh Distrikt, in den Bergdörfern der ethnischen Minderheit der Hmong. Aber wir kommen nicht mit leeren Händen: Im Gepäck haben wir ein Durchhaltevermögen an seinen Grenzen, ein Herz kurz vor dem Stillstand, Adrenalin im ganzen Körper und über 100 Kilogramm Solaranlagen.

Reisen, entdecken, verändern: In 100 Solaranlagen um die Welt

Klimawandel, Nachhaltigkeit, Armut. Wir wollen nicht mehr nur darüber reden, diskutieren, philosophieren. Wir wollen raus in die Welt und etwas verändern. Deswegen haben wir uns zum Ziel gesetzt, während unserer Weltreise mindestens 100 Solaranlagen für Menschen in Entwicklungsländern zu installieren. Dieses Mal führen uns die Projekte nach Vietnam. Ein Land, dessen wirtschaftlicher Aufschwung allgegenwärtig ist: Millionen von Motorrädern, glitzernde Lichter und moderne Häuser überall im Land. Vietnam boomt, die junge Bevölkerung genießt den wachsenden Wohlstand. Doch von all dem bekommt die ethnische Minderheit der Hmong – ganz im Norden Vietnams – nichts mit. Sie kämpfen abgeschottet von jeglicher Zivilisation mit den harten Bedingungen in den Bergen ums Überleben. Die Regierung ignoriert das Problem und auch internationale Hilfsorganisationen sind dort bisher nicht tätig.

Eine unerwartete Herausforderung: China macht Probleme

Unser Vorhaben, 20 Solaranlagen für 6 Dorfschulen der Hmong zu installieren, sorgt für Aufsehen. Nichts ahnend haben wir uns als Einsatzgebiet die heikelste Gegend Vietnams ausgesucht… Eine der zahlreichen Hürden ist die Grenznähe zu China. Der große Nachbar Vietnams übt großen Einfluss auf die Region aus. So groß, dass einen Tag vor Abreise bei uns das Telefon klingelt.

„Hallo?“ Stille. Unsere Übersetzerin, mit der wir gerade noch die letzten Details besprechen, wird plötzlich ganz ruhig, hört der Stimme am Hörer zu und ihr Gesichtsausdruck verrät nichts Gutes. „Wir dürfen nicht nach Yen Minh reisen.“, saget sie. Diese Nachricht trifft uns wie einen Schlag ins Gesicht. Wir haben bereits Solaranlagen im Wert von über 1.500€ gekauft, monatelang das Projekt vorbereitet und jetzt sollte dieser eine Anruf alles ändern?

Aber die Anweisung kommt dieses Mal von ganz oben. Unser Vorhaben hat sich bis zum vietnamesischen Innenministerium in Hanoi herumgesprochen und wir brauchen plötzlich eine dubiose Sondergenehmigung. Was genau und woher wir die bekommen können kann uns aber keiner sagen und wir vermuten, dass es ein Vorwand ist…

Was also können wir tun? Das Innenministerium von Vietnam bestechen? Keine gute Idee! Also versuchen wir es auf dem diplomatischen Weg: Wir müssen sie davon überzeugen, dass wir keine politischen Interesse haben, sondern wirklich nur helfen möchten.
Es folgen schlaflose Nächte und lange Tage in denen all unser Verhandlungsgeschick zum Einsatz kommt. Mit ein paar Brocken vietnamesisch und viel Geduld können wir ganze sechs Tage später (!) endlich einen Deal aushandeln, an den wir eigentlich schon selbst nicht mehr geglaubt haben: Wir verschenken die Solaranlagen offiziell an eine vietnamesische Hilfsorganisation, reisen selbst nur als Berater und „normale Touristen“ mit, werden rund um die Uhr von einer achtköpfigen Polizeieskorte begleitet, von zwei Regierungsbeamten bewacht und sind Gäste des Polizeichefs. Das größte Problem dabei? Wir dürfen nur zwei Tage bleiben!

Eigentlich glücklich darüber, dass wir eine Einigung gefunden haben, kommen uns große Zweifel. Wie können wir es schaffen, 20 Solaranlagen in nur zwei Tagen in einer der abgelegensten Region des Landes zu installieren? Das ist doch ausgeschlossen, einfach unmöglich! Oder etwa nicht?

 

Unser Besuch bei der ethnischen Minderheit der Hmong

Nach einer zweitägigen Anfahrt mit Bus, Van und Geländewagen ist es dann soweit: Wir erreichen das nächstgrößere Dorf nördlich von Yen Minh. Wir und die 100kg Solaranlagen werden auf unzählige alte Motorräder geladen und – begleitet von unserer Polizeieskorte – fahren wir über lebensgefährliche, für unsere Begriffe unbefahrbare Bergpfade in die Projektdörfer.

Obwohl die Fahrer sehr erfahren sind, kippt ein Motorrad nach dem nächsten um. Der Boden ist rutschig und steil, die Pfade schmal und immer am Abgrund. Verletzungen bleiben nicht aus und zwischendurch überlegen wir immer wieder zurückzukehren… Denn ist es das wirklich wert? Vier Stunden später kommen wir dann schweißgebadet mehr oder weniger heil in den Dörfern an.

Nur wo sind die Bewohner? Wir sind irritiert, als wir vor der ersten Schule stehen. Ein Bergdorf das idyllischer nicht sein könnte, eingebettet in die schönste Berglandschaft die Vietnam zu bieten hat, scheint menschenleer zu sein. Aber unter ständiger Beobachtung der Polizei stehend, spüren wir den großen zeitlichen Druck der auf uns lastet, stellen keine Fragen, versuchen nach dieser Fahrt möglichst schnell wieder einen klaren Kopf zu bekommen und fangen mit der Installation der Solaranlagen an. Die Zeit rennt – wir müssen uns beeilen.

Auf einmal hören wir Geräusche, drehen uns um und sehen ein paar Kinder, die sich neugierig angeschlichen haben. Als sich unsere Blicke kreuzen laufen sie weg. Dieses Verhalten wiederholt sich, bis wir feststellen, dass das ganze Dorf uns verstohlen beobachtet. Es ist ein merkwürdiges Gefühl und wir können das Verhalten nicht richtig deuten, lassen die Kamera im Rucksack, lächeln. Unser Übersetzer bemerkt unsere fragenden Gesichter und erklärt uns: „Die Bewohner haben noch nie einen anderen Westler vor euch gesehen, ihr seid die ersten die jemals hier waren.“ Bitte was? Wir nehmen die Information auf, aber es hat noch einige Zeit gedauert bis wir wirklich realisiert haben was in den zwei Tagen eigentlich alles passiert ist…

Den Glauben an das Unmögliche nicht verlieren

Diese Projekte in Vietnam haben unseren Verstand auf die Probe gestellt und jede rationale Vorstellung von dem was möglich ist, in Frage gestellt. Nach einer kurzen Nacht in der Polizeikaserne geht unser Solar-Abenteuer zu Ende und wir fahren todmüde aber überglücklich zurück in die Hauptstadt Hanoi. Aber wir es geschafft! Alles! Wie, das können wir uns selbst nicht so genau erklären.

Wahrscheinlich war es unsere Überzeugung. Unsere Überzeugung davon, dass die Kinder in den Schulen Licht brauchen. Wie auch sollen sie sonst abends nach der Feldarbeit unterrichtet werden? Wie könnten sie im Dunkeln etwas lernen, lesen, Hausaufgaben machen? Und wie könnten sie ohne Bildung eine Chance auf eine bessere Zukunft haben?

Das Lächeln der Kinder und der unendliche Dank der Menschen haben uns motiviert. Und es hat sich gelohnt! Einige Tage später erreicht uns über Umwege eine Nachricht mit Bild. Ein Lehrer der Schule, für den der kleine Klassensaal auch Wohn- und Schlafzimmer ist, schreibt uns. „Danke! Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Licht habe, das erste Mal, dass ich abends nicht im Dunkeln sitze.“ Auf dem Bild sitzt er an seiner Schulbank in der alten Lehmhütte, die LED-Lampen leuchten über ihm und er bereitet den Unterricht für den nächsten Tag vor. Wir haben Tränen in den Augen.

Vietnam Reisen Geheimtipp:

Sapa ist eine der touristischsten Städte Nordvietnams und das nicht ohne Grund, denn die Landschaft ist grandios! Die Region um Ha Giang hingegen steht Sapa landschaftlich in Nichts nach und zählt ebenfalls zu den schönsten Gegenden des Landes. Allerdings verirren sich dorthin nur wenige Reisende und der Tourismus steckt trotz einiger Hotels noch in den Kinderschuhen. Wer die Schönheit Vietnams in einsamer, atemberaubender Kulisse erleben möchte, der ist in Ha Giang also genau richtig! Es lassen sich Trekking-Touren ebenso leicht organisieren wie Motorrad-Roadtrips durch die wunderschöne Berglandschaft.

Weitere Reiseberichte und Reisetipps von Anne Duchstein & Sebastian Haffner hier:

reisefroh.de

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