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Im Februar 2016 war ich zum ersten Mal in Indien. Schon seit einigen Jahren wollte ich dort hinreisen und mir ein Bild von dem Land machen. Zahlreiche Filme, Dokumentationen, Bücher und Reiseblogs habe ich konsumiert und doch konnte mich nichts so wirklich auf dieses Land vorbereiten. Theoretisch war mir schon klar, dass es dort sehr anders ist als in Deutschland, aber so richtig verstehen konnte ich es erst vor Ort, als die vielen Eindrücke auf mich eingeprasselt sind.
Als „Indienanfänger“ haben mein Freund und ich uns für eine Kleingruppenrundreise durch Rajasthan entschieden. Im Wüstenstaat Rajasthan gibt es zahlreiche Tempel und noch viel mehr Menschen. Von einer Millionenmetropole reisen wir zur nächsten. Kaum tritt man aus dem Hotel, wird man belagert. Der Verkehr ist chaotisch. Am Anfang brauchen wir sogar Hilfe beim Überqueren der Straße, immerhin muss man die Fahrzeuge von Hand „stoppen“ und mutig einfach drauf los marschieren. Es stinkt massiv nach unendlich vielen Komponenten – von Essen über Rauch zu Fäkalien – man kann den Geruch nicht wirklich definieren. Indien überfordert uns und wir sind froh über die zwei Übernachtungen in den Dörfern, wo die Luft noch besser ist und wir uns von dem Trubel und Lärm der Städte erholen können.

 

Etwa in der Mitte der Reise fahren wir nach Jojawar (einem der beiden Dörfer) und übernachten dort in einem alten Heritage Hotel. Hier haben früher die Maharadschas gewohnt und es ist alles sehr prunkvoll verziert. Im Innenhof des Hotels fühlt man sich wie in einer Oase. Es ist vergleichsweise ruhig und sauber. Zum ersten Mal seit Tagen müssen wir uns keine Gedanken über die Hygiene beim Essen machen und können beherzt zuschlagen. In Jojawar gibt es keine klassischen Sehenswürdigkeiten. Vielmehr ist hier das Landleben der Grund für den Aufenthalt. Die Menschen wohnen noch sehr ursprünglich und freuen sich über die Besucher. Vor allem die Kinder kommen auf uns zugestürmt und wollen von unseren blonden Schweizer Mitreisenden Shampoo geschenkt bekommen (sie denken nämlich, dass sie dann auch blonde Haare bekommen).

Das Highlight sollte eine Fahrt mit einem Vintage Zug sein. Hierzu sind wir mit alten Chevrolets zu dem kleinen Bahnhof gefahren worden. Die Autos sind enorm langsam, passen irgendwie gut zu dem Dorfleben, was einem nicht vorkommt wie im 21. Jahrhundert. Der Zug ist ebenfalls sehr alt, außen braun, innen Holzklasse. Die Fenster haben keine Scheiben, sondern Gitterstäbe.

Der Plan war, dass wir uns unter die Inder mischen und eine Zugfahrt der anderen Art erleben. Die Inder sind nämlich sehr aufgeschlossen und interessiert uns gegenüber. Je nach Abteil werden haufenweise Fotos mit der Gruppe geschossen, Kinder herumgereicht, Essen verteilt oder Facebook-Daten ausgetauscht. Wir hatten uns auf dieses Erlebnis sehr gefreut, doch dann kam da ein kleines Drama dazwischen. Mein Freund hat gerade mit meiner kleinen Actioncam aus dem Zugfenster ohne Scheibe gefilmt und plötzlich löst sich das alte Fensterrollo aus seiner Verankerung und fällt ihm auf die Hand. Aus Reflex lässt er die Kamera los und zieht die Hand zurück. Kamera weg. Aus dem rollenden Zug gefallen. Höchstens zwei Minuten nachdem wir den Bahnhof verlassen haben. Für mich als Kamerafreak ein kleiner Weltuntergang, insbesondere weil schon knapp zwei Stunden Filmmaterial auf der verlorenen Speicherkarte waren.

 

Völlig aufgelöst fragen wir den Reiseleiter und die Fahrer der Chevrolets, ob wir noch mal bei dem Startbahnhof vorbeischauen können (da es sowieso geplant war die Rückfahrt mit den Autos zu fahren). Sie erfüllen uns den Wunsch. Die gesamte Reisegruppe ist auch betroffen (ich hatte gerade zuvor angekündigt eine Doku über die Reise filmen zu wollen, worauf sich alle gefreut haben) und alle helfen uns bei der Suche mit, der Reiseleiter, die Teilnehmer, die Fahrer und sogar ein paar hilfsbereite Einheimische, die uns zufällig am Bahnhof suchen gesehen haben. Wir folgen den Gleisen und laufen entlang eines sehr ungemütlichen Abhangs mit steinigem Boden und kratzigen Büschen. Ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Sonne steht bereits sehr tief und wir haben nicht mehr lange Licht. Als wir eigentlich schon aufgegeben haben und zurück zum Bahnhof laufen, höre ich auf einmal einen Freudenschrei. Die Einheimischen haben die winzige Actioncam in einem der Büsche gefunden. Unglaublich, wie viel Glück wir haben. Wir geben ihnen einen für uns kleinen Finderlohn und sind einfach nur überglücklich die Filmaufnahmen wieder zurückzuhaben. Vermutlich sind die Einheimischen jedoch noch glücklicher, denn unser Trinkgeld von gut 10€ entspricht – wie wir im Nachhinein erfahren – erschreckenderweise fast einem Wochenlohn der beiden Herren.

 

Mein Tipp für Indienreisen

Indien polarisiert. Entweder man mag es oder man hasst es. Wenn ihr zu denjenigen gehört, die neugierig auf das quirlige Land sind, empfehle ich euch nicht nur die Städte, sondern auch kleine Orte und das ursprüngliche, einfache Leben auch kennenlernen. Die Dörfer sind nicht nur eine gute Möglichkeit sich von dem Trubel der Millionenmetropolen und Überfüllung zu erholen, sondern man kommt hier wirklich noch mit den Einheimischen in Kontakt. Die Menschen wollen einem hier, im Gegensatz zu den meisten in der Stadt, nichts verkaufen. Von zahlreichen Kindern wurden wir aus Neugier verfolgt und beobachtet. Sie freuen sich unheimlich wenn sie fotografiert werden. Sogar Erwachsene haben uns mit Händen und Füßen versucht anzusprechen und wollten dass wir Familienfotos von ihnen machen und dann auf dem Kameradisplay zeigen. Man kann sie mit so einfachen Dingen glücklich machen! Das ist meiner Meinung nach eine sehr schöne Seite am dörflichen Indien: die Menschen haben Zeit für einen und zeigen ehrliches Interesse ohne dabei zu aufdringlich zu sein.

Weitere Reiseberichte und Reisetipps von Anna Hopfinger hier:

world.wideweg.de/

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