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Stahlblau wölbt sich der Himmel über der Arena Guy Hugon. Wie eine Vorahnung lastet die Hitze auf dem benetzten Sand. Die einzige Luftbewegung rührt von den Fächern der fein herausgeputzten Damen von St.-Laurent-d’Aigouze. Nur im Schatten der Platanen lässt es sich aushalten.

Es ist das erste Mal, dass wir so weit im Süden Frankreichs, in der Camargue, unterwegs sind. Wir befinden uns auch das erste Mal in einer Stierkampfarena. Und natürlich stellt sich da die Frage, was man hier eigentlich will? Ist es Neugierde oder die plumpe Sensation des Unbekannten? Ist es der archaische Konflikt: Mensch gegen Tier?

Da stößt ein Trompetensignal zwischen unsere Gedanken. Ein Beben geht durch die Reihen der Zuschauer. Alle Blicke richten sich auf das Toril, das Gatter, durch welches in wenigen Sekunden der erste Stier stürmen wird. Der Puls schlägt schneller. Merklich schneller. Die weiß gekleideten Stierkämpfer, Raseteurs und Tourneurs genannt, straffen ihre Glieder. Sie nehmen Haltung an.

„Ja“, denken wir noch, „was ist nur aus unserer eigenen Haltung geworden?“ Darf man sich als Tierfreund diesem Adrenalinrausch überlassen? Aber schon liefert die Arena ihre Antwort: Das Tor springt auf und zwischen den roten Barrikaden breitet sich Stille aus. Kein Muskel zuckt. Dann prescht er vor, kraftstrotzend, schwarz und mit weit ausladenden Hörnern. Der Stier! Le Biou! Ein Raunen geht durch die Menge. Willenlos raunen wir mit.

Schnaubend durchmisst das gewaltige Tier den Raum, schleudert sich Sand gegen die Flanken und senkt angriffslustig das wuchtige Haupt. Weiß und rot leuchten Bänder und Kokarde auf seiner Stirn. Ihnen gilt das Trachten der Kämpfer. Mit Haken versuchen die Männer, die Trophäen von den Hörnern zu rupfen, ohne auf diese genommen zu werden. Es ist ein Spiel, das Mut erfordert und Athleten formt.

Beim zweiten Trompetensignal ist selbst die Hitze vergessen. Wir sehen den Stierkämpfern zu, wie sie sich geschmeidig über die Barrikaden gleiten lassen. Ihre Blicke sind auf den Stier geheftet. Er starrt zurück. Scharrt. Schnaubt. Dann beginnt der Tanz. Denn es ist mehr Tanz als Kampf, was sich unseren Augen darbietet. In feinst abgestimmter Choreografie lenken die beiden Tourneurs den Stier ab, wedeln mit den Armen, hocken sich hin, locken, triezen.

Der Stier folgt bloß seinem Instinkt. Genau wie wir. Wir staunen. Mit voller Kraft wirft er sich nach vorn, stoppt, schleudert sein Haupt herum, wendet und sprengt dem nächsten Raseteur entgegen. Alles ist Kraft und Eleganz. Wie beim Ballett folgt die Begegnung der Körper dunklen Regeln. Die Männer treiben, das Tier verfolgt. Von links und rechts stoßen die Raseteurs vor, sprinten in immer kühneren Bahnen vor den Spitzen der Hörner vorbei, um die begehrten Trophäen zu ergattern. Angriff folgt auf Angriff, die Bänder fliegen. Unblutig geht der Kampf zuende.

Nach einer Viertelstunde ist alles vorbei. Der Stier dampft. Die Männer schwitzen. Der Applaus des Publikums gilt beiden. Am Abend darf der Stier auf seine Weide zurück, den Kämpfern stehen noch weitere Stiere ins Haus. Aber für uns reicht es. Das Toril schließt sich hinter dem prachtvollen Tier und damit erlahmt unsere Neugierde. Nun wissen wir, was es bedeutet, einem Stierkampf beizuwohnen. Ja, das stellt er mit einem an, dieser Tanz zwischen Mensch und Tier: Man wird zurückgeworfen auf seine Instinkte, folgt dem Schauspiel gebannt und kommt nicht aus seiner Rolle. Genau wie der Stier. Und unsere Haltung? Die überdenken wir später, zuhause, an der Fleischtheke im Supermarkt. Dann wird sie zurückkehren, die Frage nach dem Respekt im Umgang mit Tieren. Aber erst dann.

Informationen für Selbstversuche:

Früheste Erwähnung findet der Stierkampf in der Camargue 1402 in Arles. Gegen Ende des 19. Jhd. ging man zum unblutigen Stierkampf, dem course libre über. Ein Stierkampf umfasst heute meist 6 bis 8 Stiere, von denen jeder 15 Minuten in der Arena verbleibt. In der Tagespresse werden die aktuellen Termine für die Fetés der einzelnen Ortschaften angekündigt. Saison ist von Mai bis November. Für bestimmte Formen des Stierkampfes, wie La Royale (die sechs besten Stiere einer Zucht treten an) oder La Course de Taù (Kampf mit unkastrierten Stieren) fallen Eintrittspreise von 6-8 EUR an. Sehr viele Veranstaltungen sind sogar gratis zu besuchen. Häufiger Beginn ist um 16:30 Uhr. Es empfiehlt sich aber schon etwa eine Stunde vorher vor Ort zu sein, um sich mit Erfrischungen einzudecken und einen Platz im Schatten zu ergattern.

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