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Die Farbtöne des Wassers
Es ist noch ganz still um diese Uhrzeit. Wir treten aus der Tür hinaus in die frische Morgenluft und steigen die Treppen zum Fluss hinab. Wir setzen unsere Tritte behutsam auf die freien Stellen auf den kühlen Steinboden, der noch von der bunten Farbe des erst kurzurückliegenden Holi-Festivals gefärbt ist. Selbst der kleine Straßenhund, der kurz vor uns über den Weg huscht, ist von violetter Farbe gesprenkelt.


Nach wenigen Minuten stehen wir am Ufer des riesigen Flusses, der für so viele Menschen von enormer Bedeutung ist: Dem Ganges. Langsam beginnen die ersten Vögel zu zwitschern, um die bald aufgehende Sonne zu begrüßen. Darum sind auch wir hier, wir möchten den Sonnenaufgang auf dem Ganges erleben, wie sich die ersten Strahlen eines neuen Tages auf der langsam dahinfließenden Lebensader Indiens spiegelt. Dafür sind wir quer durch das riesige Land gereist, von Mumbai über den Wüstenstaat Rajasthan bis nach Varanasi, einer der wichtigsten Pilgerstätten in ganz Indien.
Leise hört man die kleinen Wellen an die unzähligen Holzboote schwappen, die bereits warten die neugierigen Menschen auf die Mitte des Flusses zu bringen. Wir bahnen uns unseren Weg zu einem der Boote und fragen den Besitzer wie viele Rupien er für eine Stunde Fahrt haben möchte.
„1000 Rupien“, grinst er uns an. Natürlich eine viel zu hohe Summe, aber das Feilschen wird den Indern wohl schon mit der Muttermilch weitergegeben. Auch wir lächeln und beginnen zu verhandeln. Letztendlich einigen wir uns auf 400 Rupien, der Bootsführer schaut grimmig, aber weiß er doch selbst, dass er ein gutes Geschäft abgeschlossen hat.


Wir steigen in das kleine Boot, das mit seiner hellblauen Farbe gerade dem sich langsam erleuchtetem Morgenhim-mel ähnelt. Auch unser so zäher Verhandlungspartner steigt in das Boot, legt sich ein Tuch zum Schutz vor der mor-gendlichen Kälte um den Kopf und beginnt zu rudern. Sachte gleiten wir über das Wasser, immer weiter hinaus auf den Fluss. An uns vorbei zieht das Ufer, die verschiedenen Ghats, die von Tempeln gesäumt sind und bei denen die ersten Menschen nun ihre tägliche Waschung vollziehen.
Gerade als wir die Mitte des Flusses erreichen, zeigt sich die orangeglühende Scheibe am Horizont und taucht Wolken, Fluss und die Stadt in ein warmes Farbspiel, das die kleinen Wellen des Ganges in den unterschiedlichsten Tönen tanzen lässt. An unserem kleinen Boot, das gerade für mich der wundervollste Ort der Welt ist, ziehen im trägen Wasser Blumenketten und schwimmende Kerzen vorbei, Opfergaben für die indische Götterwelt.
Irgendwie scheint dieser Ort um diese Zeit verzaubert, selbst als unser Boot wieder an den Stufen anlegt und wir die Treppen hinauflaufen bin ich noch nicht wieder in der Realität angekommen. Ich drehe mich noch einmal um und mein Blick schweift über den unendlich erscheinenden Fluss. Ja, jetzt verstehe ich, warum er als heilig gilt.

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