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Rucksackhochzeit am Traumstrand – klappt das ohne Vorplanung?

Wir möchten den schönsten Tag im Leben nur zu zweit unter Palmen begehen. Exotisch, entspannt und günstig soll es werden. Außer den Flügen und den ersten drei Übernachtungen in Thailand ist nichts gebucht und für eine Agentur zur Unterstützung bei den Hochzeitsformalitäten haben wir kein Geld. Dennoch soll die Trauung nicht nur ein schönes Ritual sein. Wir wollen eine nach thailändischem Recht ausgestellte und in Deutschland anerkannte Heiratsurkunde.
Ob das klappt und sich eine Backpacking-Tour als Hochzeitsreise würdig erweist, wissen wir im Vornherein selbst nicht. Susi und ich freuen uns auf den Versuch trotzdem wie Meerschweinchen auf eine Möhre. Eingeweiht sind nur unsere Eltern.

Anfang Oktober landet unser Flieger nach über elfstündigem Flug in Bangkok. Bepackt sind wir nur mit zwei Rucksäcken, in denen sich ein paar Klamotten, zwei Geldkarten und ein Individualreiseführer von Stefan Loose befindet. Neben den Buchungspapieren fürs erste Hotel haben wir außerdem Ehefähigkeitszeugnisse des deutschen Standesamtes, Geburtsurkunden, Reisepässe und Kopien dieser Unterlagen dabei (z. T. beglaubigt). Trauringe, Hochzeitskleid, Schuhe und Anzug wollen wir erst auf der Rundreise durch Thailand erstehen.

Kulturschock & Startschwierigkeiten

Während wir noch die schwülwarme Hitze, den Kulturschock und einen starken Jetlag verarbeiten, geht erst einmal alles in die Hose, was möglich ist. Nach wenigen Tagen verschluckt ein Geldautomat die DKB-Kreditkarte und die Zweitkarte will, auch nach vielen Telefonaten zur heimischen Sparkasse, einfach nicht funktionieren. Im Anschluss daran bescheren die allgegenwärtigen Klimaanlagen Susi eine heftige Erkältung. Außerdem verliert sie auf einem Solotrip im Großstadttrubel für einige Zeit die Orientierung bei gleichzeitig defektem Handy. Freundliche Passanten helfen ihr schließlich aus der Patsche.
Zudem tragen das Abrisshaus neben unserem Hotel und die Nuttenbesuche unserer Zimmernachbarn nicht gerade zur Urlaubsentspannung bei, kurzum: Wir brauchen Ruhe und wollen ans Meer.

Vorher muss allerdings noch etwas Bürokratie ausgestanden werden. Für eine rechtsgültige Hochzeit in Thailand ist eine legalisierte Konsularbescheinigung nötig. Erst mit dieser ist eine Trauung durch die Standesbeamten im ganzen Land möglich. Zunächst legen wir also die Ehefähigkeitszeugnisse des deutschen Standesamtes und den „Fragebogen für Konsularbescheinigung zur Eheschließung in Thailand“ bei der deutschen Botschaft in Bangkok vor. Das Formular hatten wir bereits in Deutschland ausgefüllt und zur schnelleren Bearbeitung mit der Botschaft Kontakt per E-Mail aufgenommen. Tatsächlich ist nach wenigen Stunden die Konsularbescheinigung im Besitz der zukünftigen Familie Pacher. Die Bescheinigung muss nun noch vom „Ministry of Foreign Affairs“ von Thailand legalisiert, also für den thailändischen Urkundenverkehr beglaubigt werden. Auch das klappt problemlos.

Am Rande des Papierkrieges haben wir zwar noch einige Tempel und andere Sehenswürdigkeiten angeschaut, sind am Ende aber doch froh, den Trubel der Metropole zurückzulassen.

Gemütlichkeit mit Streetfood & Strand

Vom nahezu letzten Bargeld bezahlt Susi die Tickets des Nachtzuges Richtung Süden. Am Morgen darauf lernen wir die entspannte Provinzhauptstadt Chumpon kennen. Sehenswürdigkeiten oder Touristen findet man hier so gut wie keine. Dafür gibt es ein Stück Thailand zu sehen, das nicht für Touris rausgeputzt wurde. Der Strand ist zwar abseits und unspektakulär, aber die Freundlichkeit der Menschen sucht ihresgleichen; ebenso wie das köstliche Streetfood des Nachtmarktes. Oft konnte ich die verschiedenen Köstlichkeiten nur mit Fingerzeig auswählen und für einen wirklich schmalen Taler genießen.

Dank unserer Eltern füllt sich nun auch wieder der Bargeldbestand. Sie senden gelegentlich Geld per Western Union. Zum Verschicken sind nur die persönlichen Daten des Empfängers nötig. An einer teilnehmenden Bank im Zielland erhalte ich dann die ersehnten Devisen; abzüglich einer fürstlichen Transaktionsgebühr natürlich.

Nach den heißen Quellen im Dschungel bei Ranong und einigem Sightseeing drängt jetzt jedoch die Zeit zum Start der Hochzeitsvorbereitungen. In der Tourihochburg Phuket soll es gute Schneider und Juweliergeschäfte geben. In verschiedenen Überlandbussen ist die größte Insel des Landes einfach zu erreichen. Außerdem ist sie, jetzt in der Vorsaison, noch nicht überlaufen.

Phuket – relaxen, während andere schuften

Tagsüber brutzelt die Sonne traumhaft vom Himmel. Nur abends zeigt das Wetter für ca. zwei Stunden, was Regenzeit bedeutet. Mit Ausnahme einer Anprobe pro Tag im Schneideratelier haben wir keine andere Aufgabe als ausgiebig das Strandleben von Karon zu genießen. Geschickte thailändische und nepalesische Fleißmeisen setzen unterdessen die Wünsche ihrer beiden deutschen Kunden um. Um Anzug, Hemd und Brautkleid auf Maß zu schneidern, brauchen sie nicht einmal eine Woche.

Schwieriger wird leider die Trauringsuche. Wir wollen ein schlichtes Design, was jedoch nirgends in Edelstahl oder Weißgold zu finden ist. Für Asiaten ist verschnörkelt mit Stein offensichtlich absolut im Trend. Erst bei einem kleinen Tätowierer in Phuket Town liegen schöne Edelstahlringe in der Wühlkiste. Dass die Ringe umgerechnet nicht einmal fünf Euro kosten, fühlt sich zwar komisch an, aber optisch erkennen wir keinen Unterschied zu teuren Edelstahlringen vom Juwelier.

Showdown im Paradies

Wie man auf die irre Idee kommt ein Hochzeitsoutfit auf einer Rucksackreise knitterfrei durch Südthailand zu transportieren frage ich mich bis heute. Von der kurzfristigen Entscheidung auf der kleinen Trauminsel Koh Tao zu heiraten, wollen aber weder Susi noch ich abrücken. Nach einer Nacht auf See im landestypischen Holzboot taucht die Insel der Schildkröten im Regen auf. Sie ist wunderschön grün, etwas felsig und umsäumt von weißem Sandstrand. Ohne genau zu wissen, ob das kleine Resort unserer Wahl geöffnet hat, bezahle ich ein Pick-up-Taxi, damit es uns über die Berge bringt. Den Rest des Weges führt ein Trampelpfad durch den Dschungel ans Meer. Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit bleibt das Hochzeitsdress selbst jetzt noch knitterfrei und unbeschädigt.

Wenig später öffnet die kleine Rezeption des Sai Thong Resort & Spa. Obwohl der Name etwas nach Bettenburg klingt, wissen wir dank Internetrecherche bereits, dass es hier nur malerische Buchten mit kleinen Holzhäuschen gibt. Eine exponierte Hütte auf Stelzen im Wasser wird unsere Hochzeitssuite. Selbst aus der Toilette ist der Blick frei auf das tiefblaue Meer.

Trotz Hilfe von der Ressortchefin wird es vorübergehend düster um die Eheschließung. Weder der Standesbeamte noch ein Fotograf scheinen in den nächsten Tagen verfügbar zu sein. Dass unsere kurzfristige Planung scheitert, ist aber auch kein Wunder.
Warum schließlich doch beide Zeit haben, erfahren wir nicht. Vor Freude ist es uns aber auch egal.
Die Hochzeitsfrisur bekommt Susi nach einer Fahrt im Longtailboot in Mae Haad für rund 10 € inklusive Trinkgeld. Schminke legt sie selbst auf. Danach tuckert der Standesbeamte mit einem Taxiboot in die Bucht. Rund zwei Stunden benötigen die Eheformalien unter den Palmen mit anschließender Fotosession. Stress kommt dabei keiner auf. Das Wetter ist den gesamten Tag über ungetrübt schön.

Obwohl es bei manch einem auf Unverständnis gestoßen ist, konnte der Tag unseres Jaworts nicht perfekter laufen. Cocktails schlürfen, mit einem kalten SINGHA Bier im Golf von Thailand liegen, zwischen Korallen tauchen und den Sonnenuntergang unter Palmen zu genießen, haben wir als Hochzeitserinnerung für uns allein. Nur die eigenen Erwartungen haben eine Rolle gespielt. Unser großes Ziel Trauung und Relaxen in Einklang zu bringen, geht damit perfekt in Erfüllung.

Adieu Thailand

Im 65. Stockwerk des Baiyoke Sky Tower 2 der Hauptstadt klingen die letzten Urlaubstage aus. Neben einigen Shoppingtouren über Bangkoks Märkte ist auch ein letzter Besuch der deutschen Botschaft nötig.  Einige Zeit später werden wir die bunten thailändischen Heiratsurkunden per Post in Deutschland beglaubigt zurückerhalten. Abschließend werden diese noch durch eine vereidigte Übersetzerin ins Deutsche übertragen. Obwohl dabei auffällt, dass für Susi als Geburtsjahr 2014 notiert ist, erkennt das Dresdner Standesamt unsere Hochzeit auf Koh Tao an. Wir sind überglücklich.

Ohne das Verständnis unserer Eltern hätten wir jedoch nicht reinen Gewissens allein in Thailand heiraten können. Vielen Dank!

Weitere Reiseberichte und Reisetipps von Hagen Pacher:

nebendemweg.de

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