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19. August.2017, Guatemala, Antigua,  Reise zum Lago Atitlán

Antigua ist eine bewundernswerte Stadt. Noch nie hatten wir so viele Gegensätze gesehen die zum einen aufeinanderprallen, sich auf eine andere Art wieder ergänzen und sich letztendlich in einem harmonischen, dennoch widersprüchlichen Bild vereinen. Nehmen wir die Kaibiles, Soldaten mit roten Mützen, die nie zu lächeln scheinen und die kleinen Läden auf den staubigen Straßen Antiguas mit Schrotflinten beschützen. Im Hintergrund eine wunderschöne Landschaft, mit alten dünn gepflasterten Steinstraßen, geprägt aus den Kolonialzeiten. Es ist schon viel los in Antigua. Die historische Vergangenheit der Maya hat Spuren hinterlassen und prägt vor allem die Farben der Stadt. Sie dominieren in allen Lebensbereichen.

Der Lago Atitlán war das letzte Ziel unseres Südamerika Aufenthaltes, bevor wir nach 6 Monaten Voluteer-Arbeit in Costa Rica die Heimatreise antreten würden.

Angekommen in Panajachel, einem kleinen Hafenort, der das Tor zu den anderen noch winzigeren Dörfern bildet, welche von hier aus nur über den Wasserweg zu erreichen waren.

Langsam wurde es hell, aber der Nebel bedeckte den See wie ein Schleier. Vom Hafen aus war die bergige Landschaft zu erkennen, die sich hinter dem See erstreckte. Von hier aus setzten wir uns in ein Boot welches uns nach San Marcos bringen sollte. Das Boot fuhr hinaus und durchbrach die dünne Nebelschicht welche sich auf dem Wasser legte. Auf der Mitte des Weges änderte sich unser Blickfeld. Ein versteckter Ort kam zum Vorschein, dessen Schönheit durch das Eindringen ersichtlich wurde. Die kleinen Dörfer am Rande der Caldera verteilt, umhüllt vom strahlendem grün und zu ihrem  Fuße der tiefblaue Kratersee in 1500 m Höhe, auf dem wir uns befanden.

Mit uns passierte ein kleiner alter Mann, braun gebrannt, mit Strohhut und kurzen verwaschenen Hosen, aber kein Einheimischer. Wir bekamen zufällig sein Gespräch mit. Von den Einheimischen wurde er Moreno genannt, wahrscheinlich weil er brauner als die meisten von ihnen war. Er erzählte dieselbe Geschichte die wir bereits gehört hatten, von Menschen die aus einem kurzen Tag am Atitlán ein ganzes Jahr machten. Aus diesem einen Jahr wurde es für einige ein Leben und zu diesen Menschen gehört Moreno. Tatsächlich hatte dieser Ort irgendwas anderes, dieses etwas konntest du mitten auf dem See spüren. Umgeben von drei aktiven Vulkanen, leben am Lago ein großer Teil der verbliebenen Maya Nachkommen.

San Marcos, so wurde uns zumindest gesagt, sollte einer der spirituellsten und ruhigsten Orte am ganzen Lago sein. Zumindest prägte eine Sache das Dörfchen charakteristisch, die moderne Zeit schien in diese Ortschaft nicht vorgedrungen zu sein. Auf den kleinen Wegen war kein Platz für Abgase, geschweige denn für einen Bankautomaten. Die Frauen tragen traditionelle Trachten, in abwechselnder Farbe von blau und lila.

Durch die Vegetation des Dschungels führen kleine Wege, deren Wände artistische Karikaturen zieren. Über den Köpfen schwingen sich Pflanzen wie Lianen, die die heißen Strahlen der Sonne abfangen. Die Eigenart der grünen Töne bilden den Rhythmus des Dorfes, eine verzauberte und geheimnisvolle Kulisse ausstrahlender Diskretion. Wakah Chan, der Weltbaum ist an zahlreichen Bungalows abgebildet. In der mythologischen Kultur der Maya, trägt er die Farbe Grün und steht für Leben. Tatsächlich bargen die grünen Töne eine entspannende Wirkung. Genau wie in den Illustrationen von „Der kleine Prinz“, wirkte dieser Ort wie ein magisch anderer Planet.

Es war ein Uhr und die Sonne hatte ihren höchsten Punkt noch nicht erreicht. Am Ufer des Flusses badeten ein paar Menschen, ansonsten versteckte sich der Rest. Ruhig und leer war der Atitlán. „Einige von ihnen sind lichtscheu. Viele Frauen unseres Dorfes nehmen den langen Weg von Lago auf sich, um in den größeren Städten die selbst gemachte Ware zu verkaufen“, wir erinnerten uns an den Zusammenstoß im Park von Antigua, mit einer Frau vom Lago. „Das traditionelle Handwerk erfordert viel Mühe, trotzdem handeln Touristen den Wert der Ware immer weiter runter. Monatelange Arbeiten verschwinden für Pennys“, erzählt uns eine Weberin auf dem Markt. „Hier musst du die beste sein, weil die Konkurrenz viel zu groß ist, die Ware aber immer dieselbe“. Die Dörfer um den Atilán zählen zu einer der ärmsten Regionen des Landes, dennoch schöpfen die Bewohner Kraft aus der Vielfalt der Biodiversität. Hauptsache bunt, werden Bräuche und Traditionen am Lago von den drei verbliebenen Gruppen der Maya weitergegeben.

Im Westen des Dorfes liegt der Park Cerro Tzankujil. Einheimische bezeichnen ihn als heiligen Berg weil auf seiner Kulisse einst Maya-Altare standen. Auf dem Berg angekommen ist von den Überesten aus einer präkolumbischen Zeit, nur die Kulisse der Natur geblieben. Mit einer fabelhaften Aussicht auf das ablaufende Naturschauspiel am Ufer, wirken die Figuren wie Akteure, agierend im Rhythmus  der Symphonie der Farben.

Fischer wurden getragen von dem schaukeln der Wellen auf ihren kleinen Booten. Versunken in den Fluss des mitreißenden blauen, kristallklaren Wassers, fesselte der glitzernde Effekt unsere Augen.

Ein kühler Windhauch vom Vulkan erfrischte den 35° heißen Tag und brachte die Bäume zum Tanzen. Ein kleines Mädchen kam die Treppen zu uns ans Ufer herunter und verkaufte uns Bananenbrot. „Cinco Quetzales, oránico“, ein Wert der 57,- Cent entspricht.

Hier waren wir… gefesselt von der Natur, dem Rhythmus des blau-grünen Farbenspiels mitten im Atitlán. Ein alter Fischer sah uns am Ufer sitzen.  Lächelnd winkte er uns zu, wir winkten zurück. Nun das ist der Grund warum Guatemala bunt ist… Euphorisch versunken in den Moment, an diesem glücklich erfüllten Augenblick, auf dem dich deine Reise irgendwann bringt, an diesen einen Ort der dich verschlingt.

Unterbrochen wurden wir von der Zeit. 16:30 Uhr, der Himmel hatte bereits Stimmung und Farbe gewechselt. Kalte Tröpfchen kitzelten unsere Haut. Auch das Wasser ändere seine Farbe in ein bedrohliches dunkelblau. Die Wellen des aufziehenden Gewitters waren stärker als der Schutz des Motorbootes. Durchnässt, aber tiefen entspannt kamen wir wieder am Hafen von Panajachel an. Eine Farbtherapie, das war es. Dieses verrückte Guatemala hatte uns mit seinen Farben beeindruckt. Im Westen ging langsam die Sonne unter. Eine weiße Decke legte sich wieder über den See und leitete die Nacht ein. Orange-rosa Töne mischten sich im Hintergrund der Vulkane und ließen diese  majestätisch erstrahlen. Dunkelblau färbte sich der Himmel, schließlich schwarz.

Zwischen Arm und Reich liegt ein gewaltiger Unterschied, aber egal von welcher Richtung du aus guckst, es kommt auf die Perspektive an für die du dich entscheidest. „Guatemalas größter Schatz ist die reiche Kultur“, erzählt uns die alte Frau die uns nuégados guatemaltecos verkauft, typisches Süßgebäck. Sie trägt Rot, die Farbe der im Osten aufgehenden Sonne steht für Lebenskraft.

Unser Geheimtipp: Das Schokomadenmuseum in Antigua, hat den leckersten Kakao der Welt.

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1 Comments
Marc de Groba

Toller Beitrag, ich kenne Guatemala leider bis jetzt nur aus Erzählungen von Nachbarn. Es gibt dort auch eine Minderheit von Europäern, zu denen auch Deutsche gehören, die dort leben. Guatemala ist ja bekannt für die Maya Kultur, ich habe auch etwas über eine neue Ausgrabung, eines unentdeckten mega komplexes einer Maya Großstadt gehört . Noch ein Grund einmal dort hin zu reisen. Auch ist Guatemala ja auch ein Beispiel für die verschiedenen Völker Mittel Amerikas.Ich denke man darf auch nicht vergessen, das Guatemala wie im Artikel angedeutet ein einzigartiges Klima hatt und alle arten von Südfrüchten hier zu finden sind. Auch hat Guatemala 36 Jahre Bürgerkrieg hinter sich .
Ein sehr schöner, lebendiger Bericht! Ich hoffe mir in absehbarer Zeit selbst ein Bild machen zu können.

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