Dieser Artikel ist der Beitrag einer Bewerberin für das Enchanting Travels Reisestipendium. Jedes Jahr vergeben wir ein Reisestipendium an einen talentierten Nachwuchsreisejournalisten und veröffentlichen die besten Einsendungen. Der Gewinner wird per Abstimmung auf unserer Facebookseite bestimmt.

Ein neues Versprechen

Ach Bangkok. Gerade haben wir angefangen uns zu verstehen. Du hast mich endlich etwas hinter deine Fassade aus Ping-Pong Shows, achtlos weggeworfenem Müll, kleinen bunten Plastikeimern, Billigfusel, unerträglich erhitztem Asphalt und dickem Smog blicken lassen. Glitzerndes Wasser, dass sich durch dich hindurch schlängelt, vorbei an Hochhäusern und Menschen. Kühler Fahrtwind. Viele freundliche Augen, die mir entgegen leuchten. Höflichkeit, Vorsicht und Neugierde. Abenteuerlust, angestachelt durch so viel Neues.
Die Trennung ist nun umso schmerzlicher, noch einen letzten sehnsuchtsvollen Blick kann ich im rötlich- orangen Licht der untergehenden Sonne auf dich erhaschen, bevor du dich im Schutz der Dunkelheit vor meinen gierigen Blicken versteckst. Ein ganz schön abgekartetes Spiel findest du nicht? Mach es mir doch nicht so schwer. Oder mache ich es mir schwer?
Immerhin reise ich weiter, du bleibst ja wo du bist.
Und während die dunkle Landschaft draußen an mir vorbei zieht, fangen meine Sinne wieder an, etwas anderes wahrzunehmen als Abschiedsschmerz.
Das Rumpeln des Busses auf unebenem Untergrund. Fremde Stimmen um mich herum, ein Sprachenwirrwarr aus aller Welt, unverkennbare, kribbelige Vorfreude, Nervosität, Ungewissheit. Und mitten drin ein Paar vertrauter, hellblauer Augen.


Sie gehören zu einem jungen Mann, der mein Leben seit zwei Jahren zu einer dauerhaften Reise macht. Zu mir selbst. Zu meinen Ängsten, Hoffnungen, Erwartungen und Zweifeln. Zu meinen Schattenseiten und dem Licht. Zu Orten und Inseln in mir, die mir weiter entfernt vorkamen, als Neuseeland.
Ich muss eingeschlafen sein, denn auf einmal herrscht Unruhe im Bus. Wir haben angehalten, etwas scheint sich zu tun im vorderen Teil. Ein paar Menschen sind schon aufgestanden und schieben sich zwischen den engen Sitzreihen hindurch. „ Koh Tao. This is stop for Koh Tao!“
Mit einem Schlag bin ich hellwach, raffe meine Sachen zusammen und stolpere die winzige Treppe hinunter aus dem Bus heraus. In der Dunkelheit zeichnen sich die Umrisse eines Hafengebäudes ab und ganz nah rauscht das Meer.
Noch während wir versuchen uns zu orientieren, geht mit dröhnendem Getöse auch schon wieder der Motor des Busses an, knattert, spukt wütend Abgase in unsere Richtung und auf einmal stehen wir da, irgendwo im Nirgendwo. Einige Minuten herrscht Stille, unterbrochen nur vom monotonen Geräusch der seichten Wellen. Mein Kopf ist leer, eine schwere Müdigkeit hat sich längst auf meine Muskeln gelegt und die Augen brennen. Bis die Sonne aufgeht können wir sowieso nichts machen, beschließen wir schließlich und versuchen es uns auf ein paar morschen Holzbänken am Uferrand gemütlich zu machen. Ein junges Mädchen setzt sich zu uns, schlaftrunken reden wir über alles, was unsere erschöpften Köpfe beschäftigt und fasziniert. Irgendwann werden dabei aus Sätzen Worte und aus Worten wirres Gemurmel.


Als ich das Gefühl habe, dass es nie wieder hell wird in dieser Nacht, ich mich zurück sehne nach den schützenden Hochhäuserfassaden Bangkoks, dem vertrauten Straßenlärm und der quälenden Hitze, da glitzert ganz entfernt am Horizont der erste Sonnenstrahl. Über die Nacht müssen noch mehrere Busse in der Nähe gehalten haben, denn inzwischen ist der Pier überfüllt von jungen, unausgeschlafenen Backpackern aller Herrenländer. Es dauert keine Stunde, da legt ein Boot direkt vor uns an und auf einmal geht alles unglaublich schnell. Das Gepäck wird im hinteren Teil des Kutters verstaut, während wir weiter vorne im Rumpf Platz suchen. Aus kleinen Bullaugen beobachte
ich, wie das tiefblaue Meer an uns vorbei rauscht, unterbrochen von kleinen Inselchen, die vermutlich nicht mal einen Namen haben.
Unsere neue Freundin hat sich zu uns gesetzt und obwohl wir übereinander schon mehr wissen, als manche Freunde, kommen wir erst jetzt dazu, Namen auszutauschen. Ich schätze so ist das beim Reisen einfach, es ist doch egal ob du Anna oder Larissa heißt, ob du helle oder dunkle Haut hast, Englisch oder Spanisch redest.


Irgendwann halten wir es im Schiffsrumpf nicht mehr aus und klettern hoch auf Deck. Der Wind peitscht mir die Haare ins Gesicht, die Sonne steht inzwischen weit oben am Himmel und es riecht herrlich nach Salzwasser. Nach all den Tagen in der Großstadt spüre ich auf einmal eine riesige Sehnsucht in mir, während ich auf das Weite des Meeres schaue. Die Sehnsucht danach, meine Zehen in weichen, warmen Sand zu tauchen, der Hitze des Tages im kühlen Meer zu trotzen, immer im Ohr das Rauschen der Wellen. Und während wir so auf das Meer schauen, jeder in seinen Gedanken versunken, da liegt auf einmal vor uns in all ihrer Pracht endlich die Insel. Dicke Palmenwälder säumen einen kilometerlangen, weißen Sandstrand. In allen Farben schillert das glasklare Wasser in der Sonne und ich will diesen ersten Anblick so tief in mir aufsaugen, dass es für immer dort bleibt.
Jedes neue Ziel einer Reise, genauso wie jeder neue Mensch dem wir begegnen, bedeutet ein neues Versprechen. Neue Geschichten, neue Abenteuer, neue Höhen und Tiefen, neue Geheimnisse. Oft können wir im Alltag diese Versprechen nicht mehr sehen, abgelenkt vom Trott und der Arbeit. Das Reisen lehrt uns, wieder achtsamer zu werden. Auf unsere Umgebung, die Menschen und Orte um uns herum.

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