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Alles begann mit einem Video.

Es war nachts um drei und ich befand mich inmitten einer schweren, depressiven Episode. Ich tat, was man nun einmal tut in so einer Situation und noch dazu mit Schlafstörung: ich schaute wahllos ein YouTube-Video nach dem anderen. Schließlich dann, das schicksalhafte Video. Ein Moutaineer wie er im Buche steht besteigt den Fuji – den höchsten Berg in Japan. Was hängen blieb war vor allen Dingen; wenn man den Fuji mit einem Wanderstock besteigt, kann man sich auf jeder Bergstation ein Siegel einbrennen lassen und wenn man dann, nach zehn mühseligen Stunden den Gipfel erreichte, dann war dieser Stock die Trophäe.

Eins stand fest: ich wollte so einen Stock. Dann dachte ich mir: „hey, du sprichst Japanisch. Du warst schon mal in Japan. Du willst wieder nach Japan. Steig auf den verdammten Fuji und hol dir so einen Stock!“ und einen Augenblick später: „hey, du bist Asthmatiker und du kannst nicht mal eine Treppe überwinden ohne zu hecheln. Und vergiss die Depression nicht, sie macht dir immerhin meistens einen Strich durch die Rechnung“.

Also fragte ich all meine Freunde die schon einmal in Japan waren: „hast du schon mal den Fuji bestiegen? Ist das… Ist das schwer?“ Die ernüchternde Antwort: Niemand von ihnen hatte den Fuji bestiegen, denn es war zu schwer. Das feuerte meinen Ehrgeiz jedoch nur weiter an. Es fühlte sich an, als würde ich mich als erster Mensch an den Mt. Everest trauen. Eine Woche später begann ich zu trainieren. Ich begann mit kleinen Hügeln und arbeitete mich hoch über das Siebengebirge bis zur sächsischen Schweiz.

Dann endlich, kam der 8. September 2017 und man durfte den Fuji in diesem Jahr nur noch an zwei Tagen besteigen, denn die Saison endete und das Temperaturen auf dem Gipfel fielen rasant. Ich fuhr erst mit einem Shinkansen nach Mishima und dann mit einem Bus nach Kawaguchiko und schließlich mit einem weiteren Bus zur fünften Bergstation des Fuji. Es war acht Uhr abends, stockfinster, 40°C heiß und ich war, mit einem noch unbefleckten Wanderstock in der Hand, bereit.

Im Bus zur fünften Bergstation waren wir alle ekstatisch, wir konnten es kaum erwarten endlich den Fuji zu besteigen! Und schnell fand sich eine Gruppe zusammen und wir brachen alle gemeinsam auf. Die Lichter der hellen Bergstation verblassten schnell hinter uns und wir befanden uns schnell in absoluter Dunkelheit. Doch nein, nicht ganz. Es gab auf dieser Höhe bereits keine Bäume mehr wuchsen, konnten wir die Atemberaubende Aussicht über Kawaguchiko und Fuji Stadt bei Nacht genießen. Tausende kleine Lichter leuchteten uns den Weg und schon war ich weit weg von allem. Es gab nichts, dass von Bedeutung war. Alles was zählte, war der Aufstieg.

Die sechste Bergstation erreichten wir schnell und noch immer dauerte die Euphorie an, denn alles schien einfacher als erwartet und es war noch nicht sonderlich kalt, deswegen klopften wir uns alle auf die Schultern. Wir waren solche Idioten. Nach der sechsten Bergstation machte der Pfad eine Kurve und plötzlich wurden wir mit der ersten Treppe konfrontiert und wie bereits erwähnt; mein Asthma und ich sind keine Fans von Treppen.

Der Weg zur siebten Bergstation schien unendlich lang und anstrengend, in Wahrheit brauchten wir 80 Minuten. In diesen 80 Minuten begann ich schließlich zu frieren. Es war kalt und kaum blieb man stehen, begann man am ganzen Körper zu zittern. Die Kälte zog rasant in die entferntesten Tiefen meines Körpers. Ich kaufte mir ein paar Handschuhe und ließ meine Gruppe in einer Berghütte zurück, deren Einlass ich schon nicht mehr bezahlen konnte. Der Fuji war teuer. Teurer als ich erwartet hatte und weit über meinem Tagesbudget.

Ich schloss mich zwei Belgiern an und wir kämpften uns gemeinsam voran, trotz der Kälte, trotz der Müdigkeit, trotz allen Widrigkeiten. Wir drei stiegen in stetigem Tempo weiter, bis wir die achte Bergstation erreichten. Mittlerweile zierten meinen Wanderstock bereits diverse Brandmarken, die mit Stolz die Höhe der jeweiligen Bergstation proklamierten. An der achten Bergstation angekommen, waren wir todmüde, doch das Schlimmste stand noch bevor.

Der Aufstieg zur neunten Station, dauerte eine wahrhafte Ewigkeit und wir drei trennten uns immer wieder unfreiwillig voneinander, denn jeder konnte nur in seiner eigenen Geschwindigkeit vorankommen. Ich konnte meine Füße schon lange nicht mehr spüren und schleppte sie wie Klötze voran. Es war bereits vier Uhr morgens und ich wollte den Sonnenaufgang um fünf Uhr vom Gipfel aus beobachten. Ich war allein und meine Gedanken kreisten und kreisten und wurden immer dumpfer, ebenso wie meine anderen Empfindungen. Einfach vorwärts, stur vorwärts, immer weiter vorwärts.

Es war knapp, ein Wettkampf gegen die Zeit und endlich, endlich war die Gipfelspitze zu sehen. Der Krater des Vulkans. Der Krater eines aktiven Vulkans übrigens, was den gesamten Aufstieg noch spannender machte. Ich kämpfte mich die letzten vierhundert Wegmeter nach oben und kam schließlich an dem atemberaubenden Torii und somit meinem Ziel an. Der Sonnenaufgang hatte sich in der letzten Stunde bereits langsam bemerkbar gemacht, doch noch war die Sonne selbst nicht zu sehen. Ich ließ mich am Fuße des Torii nieder, zückte meine Kamera um mein ganz eigenes Video zu drehen, dass jemand eines Nachts um drei auf YouTube sehen konnte und als die Sonne endlich hinter dem Wolkenmeer aufging, begann ich zu weinen.

Nach drei Jahren harter Arbeit, war ich endlich wieder in Japan und nach nur einem halben Jahr Planung und Training, habe ich, ein kleiner asthmatischer Streber, es tatsächlich auf die Spitze des Fujis geschafft. Die Schönheit des Sonnenaufgangs lässt sich nicht in Worte fassen und auch Bilder werden ihm nicht gerecht. Ich war nicht der einzige Mensch, der weinte. Uns alle verband auf dem Gipfel dasselbe, unbeschreibliche Gefühl. Wir hatten es geschafft. Wir alle hatten es geschafft.

Noch nie in meinem Leben hatte ich mich so frei gefühlt.

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