Dieser Artikel ist ein Beitrag für den Enchanting Travels Blogger Award 2017. Mit diesem möchten wir alle Bloggerinnen und Blogger unterstützen, die unsere Leidenschaft teilen und über die kleinen und großen Abenteuer in fernen Ländern berichten. Hier in unserem Reiseblog veröffentlichen wir die besten Einsendungen. Der Gewinner wird per Abstimmung auf unserer Facebookseite bestimmt.    

Ein Abenteuer beginnt in Raja Ampat

Die größten Abenteuer des Lebens beginnen spontan. In diesem Fall, mit den schlichten Worten: Ja, ich bin dabei! Dabei sollte ich erwähnen, dass weder mein Ausgangspunkt, noch das Transportmittel, oder das Ziel alltäglich waren.

Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung arbeitete ich als Meeresbiologe in Raja Ampat, dem Zentrum des sagenumwobenen Korallendreiecks im fernen Südosten Indonesiens. Die Gewässer der Provinz West-Papua gelten als evolutionäre Wiege sämtlicher Korallen unserer Meere. Es gibt wohl kaum einen Meeresbiologen der diese überbordende Artenvielfalt nicht wenigstens einmal in seinem Leben betauchen möchte. Die Riffe leuchten wie ineinander verwobene Regenbögen. Einen einzelnen Fisch im Gewusel und Gejage, Fressen und Gefressen werden, zu beobachten, grenzt an Unmöglichkeit. Von winzigen Pygmäen Seepferdchen, bis zu ozeanischen Riesenmantas, findet sich hier alles auf engstem Raum. Man muss Aufpassen, dass einem die Putzergarnelen nicht zwischen die Zähne krabbeln, wenn einem unterwasser sprachlos der Atemregler aus dem Mund fällt.

Im Grunde genommen war ich also bereits in meinem ganz persönlichen Paradies. Das Angebot von David und Sherry aber, konnte ich einfach nicht ausschlagen. Wer segelt schon in einem 44-Fuss Katamaran von Raja Ampat nach Palau; von einem Tauchparadies ins nächste?!!
Welcher Junkie lehnt eine Droge ab, über die er bereits ganze Enzyklopädien verschlungen hat, zumal wenn sie einem quasi geschenkt wird?
Dieses Angebot auszuschlagen, hätte ich mir mein ganzes Leben nicht mehr verziehen.

Die Entscheidung war gefallen, bevor ich sie ausgesprochen hatte und eine Woche später ging es los.
Nach einigem Hickhack bei der Immigration – die finden es nämlich gar nicht cool, wenn man im Flugzeug ankommt, aber mit dem Schiff wieder Verschwinden möchte, und ausgiebigem Shopping, schifften wir uns auf der Soggy Paws (deu: feuchte Pfoten) ein. Der 44-Fuss Katamaran bietet vier Schlafkojen mit jeweils eigenem Badezimmer, eine Kombüse, eine kleine Biobliothek, sowie ein Wohnzimmer, welches gleichzeitig als Funkraum fungiert. Darüber hinaus war es mir immer wieder ein Fest die Schränke und Luken des Schiffs zu inspizieren. Jeder nur erdenkliche Stauraum war von David bis zum Anschlag mit Ersatzteilen befüllt. Auf Nachfrage wofür, wollte ich fast wieder vom Schiff springen. Es ist beängstigend wieviel und wie häufig auf einem Segelschiff selbst die einfachsten Teile ihren Geist aufgeben. Salz und Sonne fordern täglichen Tribut.

David und Sherry segeln bereits seit über 10 Jahren über die sieben Weltmeere. Er war Tauchoffizier bei der amerikanischen Navy und sie arbeitete als IT-Spezialistin. Verbunden hat sie die gemeinsame Liebe zum Segeln. Dabei nimmt er die Rolle des gewissenhaften und technisch Begabten ein, während Sherry die Fraktion navigatorisch versierte Rennseglerin vertritt. Nach langen Jahren auf See, strahlen beide unglaubliche Ruhe aus. Sie ergänzen sich perfekt.

Auf Reede bei den Glühwürmchen

Unsere Route führte uns von der Hauptstadt West-Papuas, Sorong, als erstes in eine abgelegene Bucht weiter westlich. Hier hoben wir die Soggy Paws mit Hilfe von Ebbe und Flut auf den Strand, um Reperaturarbeiten an ihrem Rumpf und den Propellern vorzunehmen.
Solche Aktionen sind mit erheblichen Risiken verbunden. Ist das Schiff nicht fest vertäut und sitzen die stabilisierenden Balken nicht fest genug, kann das Schiff verrutschen und Propeller und Schwerter stark beschädigen.
Folgerichtig begann der Tag noch vor den ersten Sonnenstrahlen. Alleine die richtigen Positionen für das Schiff und die Seile zu finden, beschäftigte uns den ganzen Morgen. Im Anschluss zogen wir die Soggy Paws, befestigten die Rümpfe mit Stützen und warteten danach, dass die Ebbe das Schiff aus den Fluten hob. Ein irgendwie magischer Moment, wenn man realisiert wie menschlicher Intellekt und einfachste Mittel ein tonnenschweres Schiff heben, bzw. heben lassen.
Die Reperaturen selbst, waren schnell erledigt. Die Rümpfe wurden geputzt, der beschädigte Propeller repariert und ein kleines Leck gestopft.
Am Abend, bevor wir hundemüde in unsere Kojen sanken, tranken wir noch einen Absacker auf dem Vordeck. Nachdem die Sonne ihre letzten Strahlen über uns ausgeschüttet hatte, wurde es sehr schnell dunkel. Doch etwas leuchtete noch, in den dunklen Hängen der Bucht. Zunächst in nur einem Baum, dann in einem zweiten und schließlich in drei Bäumen begann ein intensives Pulsieren. Verwundert rieb ich mir die Augen und begann an Gespenster zu glauben. Letztlich gewann der Naturwissenschaflter in mir. Es waren Abertausende von Glühwürmchen, die in diesen Bäumen ein Fest feierten. Und da die Natur von modernen Parties wie wir sie kennen keine Ahnung hat, kann es sich eigentlich nur um die altertümlich, römische Variante einer klassischen Orgie gehandelt haben. Ach wie gerne, wäre ich an diesem Abend ein Glühwürmchen gewesen.

 

Über Geisterinseln im Westpazifik

Auf den über 700 Seemeilen die ich in diesen zwei Wochen durch den Pazifik segelte, ankerten wir an den unterschiedlichsten Plätzen. Von verlassenen Buchten unter grau verhangenen Himmeln mit versteckten Quellen aus denen wir unsere Trinkwasservorräte aufstockten, bis zu tropischen Atollen mit Geisterdörfern und weitabgelegenen Forschungsstationen, war alles dabei.

Während wir in den Quellen neben dem Wasser auch ein Bad nahmen, beeindruckte mich vor allem die Insel Ayu im gleichnamigen Atoll.

Als wir die Insel einen Vormittag lang besichtigten, schwankten unsere Spekulationen zwischen Wahn- und Irrsinn. Für diese winzige Insel gab es hier schlichtweg zu viele leerstehende Klassenräume, Funktelefonmasten und Wohnhäuser, aber weit und breit keinen einzigen Menschen. Der untere Teil des Dorfes war die perfekte Kulisse für einen abgedroschenen Westernfilm, inklusive im Wind rollender, toter Büsche und quitschender Türen. Wurde die Insel schon vor Jahren verlassenen?
Letztlich fanden wir ein wenig weiter oben doch noch eine kleine Gruppe Menschen. Sie saßen versteckt im Schatten eines Baumes und genossen die Ruhe. Die Frauen sortierten Bohnen in großen Schalen, während die Männer Seile flochten. Die Insel war also kein Geisterdorf.
Hügelaufwärts wurde es dann richtig merkwürdig. Links und rechts von einer ausgesprochen stark befestigten Straße, die Panzern Halt geboten hätte, reihten sich große Gebäude mit Klassenzimmern, Schlafräumen und Verwaltungsgebäuden auf. Hier kam unsere Fantasie auf Hochtouren. Spionschule, Militärbasis, geheime Funkstation? Alles schien möglich.
Am Ende war es eine Tafel die unseren Spekulationen ein Ende setzte. Sie war offensichtlich erst vor einem Monat zum Unterrichten des kleinen Einmaleins genutzt worden. Bei der Insel handelte es sich um nicht mehr und nicht weniger als ein Inselinternat, welches wir während der Sommerferien besuchten.

Helen Reef, die Ranger vor Palau

Helen Reef war unsere letzte Station vor Palau, dem Sehnsuchtsziel vieler Großfischliebhaber und Strömungstauchjunkies. Die winzige Sanddüne im Nordosten des Atolls beherbergt gerade einmal 4 Ranger. Sie bewachen und schützen den südwestlichsten Außenposten Palaus und die umgebenden Riffe vor Wilderern aus Indonesien und den Phillipienen. Vielleicht 6-8 Schiffen pro Jahr besuchen diesen Sandhaufen. Darüber hinaus sind sie, bis auf gelegentliche Vorsorgungsschiffe von der Hauptinsel, komplett auf sich selbst gestellt. Als Trinkwasser dient Regenwasser. Strom wird aus Sonne und Wind generiert. Und für die Ernährung dürfen sie ein streng abgestecktes Gebiet des Riffes befischen; der Rest steht unter Schutz.
Kurzum, eine fast völlig autarke und emissionsfreie Meeresschutzstation. Was will Meeresbiologe mehr?!!
Wir durften ganze drei Tage mit den Rangern verbringen. Wer länger bleiben will, muss seinen Besuch vorher in Palau anmelden.
Während unserer Zeit führten uns Louis, Mathew, Antonio und Darlece durch das gesamte Atoll. Leider durften wir nicht tauchen, dafür aber schnorcheln und sie beim Harpunieren begleiten. Die erbeuteten Leckerbissen, lagen noch am selben Abend auf dem Grill. Ganz bewusst, hatten die Ranger verschiedene Fische und Krustentiere für unterschiedliche Zubereitungsarten gefangen. Und obwohl ich persönlich aus ökologischen Gründen eigentlich keinen Fisch mehr esse, konnte ich mich an diesem Abend nicht zurückhalten. Zum Glück, denn erstens wurden die Tiere sehr gezielt, und also nachhaltig gefischt und zweitens hätte ich ein kulinarische Feuerwerk verpasst.

Schweren Herzens und voller Erinnerungen legten wir drei Tage später ab und machten uns in drei Tagen und zwei Nächten auf die letzten Seemeilen nach Palau. Besonders die letzte Nacht hatte es in sich. Ich war kaum eingeschlafen, da weckte mich lautes Getöse, Schaukeln und Rollen. Am Ruder schrie Sherry ihre Anweisungen über den Wind hinweg. Während David und ich über das Deck sprangen, Ladungen sicherten und Schoten dicht holten oder fierten. Der Wind hatte unerwartet aufgefrischt und ließ die Soggy Paws mit Rekordgeschwindigkeit über die Wellen hüpfen. Ich hatte Sherry auf dieser Reise häufig lachen sehen, doch in dieser Nacht leuchteten ihre Augen wie Scheinwerfer die uns den Weg nach Palau wiesen. Im Geschwindigkeitsrausch durch Wellen und Gischt – ein Fest für die erfahrene Skipperin.

Haie um Palau

Endlich Palau. Die Insel der Haie und starken Strömungen. Nervenkitzel pur.
Wer hier Tauchen gehen will, sollte Erfahrung mitbringen, am besten aus anderen strömungsreichen Gewässern. Aus diesem Grund wurde auf Palau der Riffhaken erfunden. Ein geniales, wie simples Werkzeug um sich auch bei stärksten Strömungen ohne Anstregung noch direkt an der Kante halten zu können. Im Riff in einer toten Koralle verhakt, schwebt man mühelos in der reißenden Strömung während die grauen Riffhaie vor unseren Nasen seelenruhig ihre Runden drehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich dem geneigten Leser, das noch junge, aber engagierte Team der Palau Dive Adventures empfehlen. Diese kleine Tauchschule hat sich komplett dem individualisierten Tauchvergnügen verschrieben. Auf ihrer Internetseite (www.palaudiveadventures.com) lassen sich Komplettpakete mit Tauchen und Unterkunft buchen. Auf Palau selbst, setzt sich der Rundumservice fort. Morgens wird man entweder mit einem Bus, oder je nach Unterkunft auch direkt mit dem Boot abgeholt. Danach geht es ohne Umwege direkt zu den besten Tauchplätzen der Insel, Mittagessen inklusive.

Weitere Reiseberichte und Reisetipps von Liko (Alexander Ostrowitzki) hier:

lifendive.com

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