Es ist meine erste Reise nach Myanmar, ich bin noch nie im Ballon gefahren, es ist Hochsaison. Meine Reiseplanung war abgeschlossen, das Budget ausgeschöpft. Nach Gesprächen mit einem Ex-Gast komme ich dann aber doch nicht umhin, in letzter Minute noch eine Ballonfahrt in meine Myanmar Reise zu integrieren.

Die Ballonfahrt unterlassen zu haben, hätte ich ein Leben lang bereut.

Ballonfahrer müssen früh aufstehen

So lasse ich mich an einem Januarmorgen in meinem Hotel um 5:00h wecken. Ein erster Schritt aus der Tür: Es ist noch stockfinster, sternenklare Nacht und ziemlich frisch. Ein paar andere Gäste haben die berühmte Jacke nebst Mütze und Schal für kühle Stunden (steht doch so im Reiseführer!?) im Koffer gefunden, sich mit Kameras bewaffnet und wohl auch versucht, sich mental auf das bevorstehende Ereignis vorzubereiten – oder Mut zu machen. Es herrscht gespannte Stille und möglicherweise auch nur verhaltene Vorfreude. Wie sich dann auch herausstellt, sind fast alle noch nie Ballon gefahren, und einige hatten wohl im schon fortgeschrittenen Alter auch gar nicht vor, sich jemals ein so zweifelhaftes (?) Vergnügen zu gönnen.

Absicht oder nicht, um die Dramatik noch zu erhöhen taucht dann auch bald ein Kleinbus auf. Die potentiellen Ballonfahrer verstehen nicht sofort, dass wir damit abgeholt werden sollen: wahrscheinlich Vorkriegsmodell (gemeint: World War II) d.h. viel verbeultes Blech, funzelige Beleuchtung, abenteuerliche Geräusche, keine Stoßdämpfer (wie sich noch zeigen sollte). Mit uns 12 Touristen alsbald näherungsweise voll besetzt, im burmesischen Linienverkehr aber für sicher 60 bis 70 (ohne Übertreibung) Fahrgäste einsetzbar. Der Vorstellungskraft des Lesers sind keine Grenzen gesetzt. Wir befürchten das Schlimmste hinsichtlich der gebuchten Unternehmung.

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Der Busfahrer, hinter dem Steuer im Stil eines Rodeoreiters, bringt uns dennoch nach kurzer Fahrt sicher ans Ziel. Es ist gespenstisch am Startplatz, man sieht einige fahle Gaslampen, jede Menge dunkler Gestalten mit Stirnlampen, die emsig hin und her wuseln. Dann werden wir in 16-er Gruppen aufgeteilt und von Ian Martin im strapazierten Safarioutfit und in gepflegtestem English in Empfang genommen und in eine „Holding Area“ geführt. Von jetzt an ist der Begeisterung keine Grenze mehr gesetzt, alles entpuppt sich als professionell und mit Stil. Der Funke springt über, auch wenn Ian als erstes ein striktes Rauchverbot verkündet. Ian repräsentiert den personifizierten britischen Humor.

Es gibt heißen Tee, Biskuits. Auch der letzte taut auf. Der Tag kommt näher, angekündigt durch das Krähen der Hähne und dem Gezwitscher der Vögel, ansonsten ungewohnte aber nicht unangenehme Stille. Langsam ist zu erkennen, dass wir uns auf einem Fußballfeld befinden, wo ordentlich organisiert 12 riesige Ballonhüllen ausgebreitet sind. Am unteren Ende jeweils ein großer Korb, der 16 Passagiere und einen Piloten aufnehmen soll. Viele fleißige Geister in einheitlicher Crew Kleidung testen die verschiedenen Funktionseinheiten des Ballons, bereiten das Füllen und den Start vor. Alles macht einen fast überraschend vertrauenserweckenden Eindruck.

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Ian beginnt sein Briefing und beantwortet Fragen: Er wird uns fliegen, ist wie alle anderen Piloten englischer Profi, fliegt seit über 25 Jahren Ballon (unfallfrei versteht sich); in den letzten Jahren immer sechs Monate im Jahr über Bagan, eine der angeblich weltweit eindrucksvollsten Landschaften hierfür. In seiner „Freizeit“ fliegt er überwiegend auch Ballons, seine große Leidenschaft. Jeder Ballonflug sei jedoch einzigartig und nicht vorhersagbar (Adrenalin läßt grüßen)…hm.

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Unser Ballon heißt Juliette und ist wie alle anderen Made in England, natürlich

Ian erläutert die diversen Teile des Fluggeräts (Alles, was so aussieht, als sei es nur für einen Piloten gedacht, bitte nicht anfassen..), die verschiedenen Flugphasen (besonders das Landen), erforderliche Verhaltensweisen (z.B. nicht unterwegs aussteigen..). Die obligatorischen Base Caps werden verteilt; damit habe ich jetzt schon drei in meinem Koffer.

Übrigens, heißt es nun Ballon fahren oder fliegen und wie nennt sich korrekt derjenige, der den Ballon steuert? Originalton Ian: Natürlich fliegt er seinen Ballon und ist Pilot. Ballonfahren gibt es nur im Deutschen und er wundere sich schon immer, dass die Deutschen nicht konsequenterweise ihre Autos fliegen…

Jetzt wird es ernst – und laut

Mit großen Ventilatoren wird die Ballonhülle jetzt so mit Luft gefüllt, dass sich der Ballon bläht und unten eine mannshohe Öffnung entsteht.
Anschließend werden die Gasbrenner gezündet, die dann in dieser Öffnung mit Ihrer großen, grell orangen Flamme fauchend Heißluft erzeugen, den Ballon füllen und zum Aufrichten bringen. Er ist noch an unserem Bus verankert, damit er nicht ohne uns abhebt…12 Ballons stehen nun über dem Fußballfeld.

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Wir klettern in den Korb. Sprechfunkverbindung der Piloten untereinander, zur Bodencrew und vielleicht auch zur Flugsicherung!? Ian scheint sogar ein paar burmesische Phrasen zu beherrschen…Leine los, Brenner an, wir entschweben, im wahrsten Sinn des Wortes. Was haben wir eigentlich erwartet? Dass wir nicht abheben, weil wir alle bei der Abfrage des Gewichts mehr oder weniger geschummelt haben? Ganz sanft geht es nach oben, kein Lüftchen ist zu spüren, keine Beschleunigung wie in einem Fahrstuhl, kein Schütteln, Rütteln oder Poltern wie bei einem Flugzeugstart, magisch. Ein Ballon nach dem andern hebt ab.

Ein einzigartiges Schauspiel beginnt

Die Sonne erscheint am östlichen Horizont. Sonnenaufgang im Gegenlicht, schon für sich das klassische Fotomotiv. Hier und heute allerdings bei extrem klarer Luft und wolkenlosem Himmel – und mit dabei eine Herde riesiger, unwirklich roter Ballons, im Laufe des Flugs näher und ferner, immer einmal vor, neben, unter oder über uns. Wie man lernt nicht ganz zufällig: Die Ballons sind innerhalb gewisser Grenzen steuerbar (durch Klappen in der Hülle und Verändern der Höhe) und unsere Piloten sind Meister ihres Fachs.

So manövriert uns Ian von einem Bilderbuchmotiv zum andern. Atemberaubende Ausblicke, ungewohnte Perspektiven, die viel zu schnell vorüberziehen und damit Fotoenthusiasten gewaltig fordern. Unsere Fahrt, nein unser Flug, geht nach Südwesten. Höhe zwischen knapp über den Baumwipfeln und Kokosnüssen zum Greifen nah und ungefähr 1200feet bei
heute max. 13 Knoten Windgeschwindigkeit.

Was für eine grandiose Stimmung, was für ein Panorama

Einziger unvermeidlicher Wermutstropfen in einem Heißluftballon: das immer wieder notwendige Zünden der Brenner, die dann allerdings auch wohlige Wärme verbreiten. Inzwischen wärmen aber auch die Strahlen der Sonne, die wie ein Theaterscheinwerfer Licht, das sich ständig verändert, auf eine unvergleichliche Szenerie und Kulisse werfen. Die weitläufige Ebene mit ihren über dreitausend Pagoden, Tempeln, Stupas und Ruinen in Gold und warmen Backsteintönen. Dazwischen Sand, das Grün der Büsche und Bäume, einzelne Hütten, Rauch vom ersten Feuerchen für den Tee am Morgen, darüber Dunst wie Watte und – die Schatten der Ballons, die darüber hinweg wandern. Dahinter der braune Irrawaddy River bei Niedrigwasser in seinem ins Schwemmland eingeschnittene Bett und am westlichen Horizont eine Gebirgskette, wo am Abend die Sonne unter ähnlich spektakulären Umständen untergehen wird. Aber Sonnenuntergänge in Myanmar sind eine eigene Geschichte.

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Im Korb andächtige Stille, nur das Klicken der Fotoapparate, unterbrochen von gelegentlichen Einlagen von Ian, der natürlich auch bereitwillig Fragen beantwortet, die Szenerie erläutert und den Eindruck erweckt, wenigstens 2500 der über dreitausend Tempel zu kennen. Zitat: „Dort hat der Sohn des Königs soundso respektvoll seinen Tempel errichtet, in gebührendem Abstand und kleiner als der seines Vaters!“…“Das waren noch Zeiten. So wie ich meinen Sohn kenne, würde der wenigstens doppelt so groß wie sein elterliches Anwesen bauen.“ Zitat Ende.

Oder Ian steuert Juliette vor eine Kulisse, vor der er unbedingt ein Erinnerungsfoto für die Korbinsassen schießen muss. Dazu hat er eine fernsteuerbare Kamera an der Ballonhülle befestigt. Das Einstimmen zu einem natürlichen Foto lautet aber nicht etwa „Smile“ oder „Cheese“, sondern: „Denken sie jetzt bitte an etwas Lustiges, im Zweifelsfall auch an Sex und daran, dass es das letzte Foto sein könnte (ähm…für heute)“.

Oder er hat am Boden jemanden vor seiner Hütte oder bei der Arbeit entdeckt und ruft ihm ein fröhliches Min-ga-laa-ba (Guten Morgen!) zu, sodass dieser erschreckt nach oben schaut, uns dann aber freundlich zuwinkt; wie wahrscheinlich an jedem Flugtag.

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Die Ballonfahrt ist einfach nur wunderbar und könnte noch stundenlang so weiter gehen

Aber nach knapp einer Stunde Luftfahrt kann man am Boden in Staubwolken bereits Fahrzeuge (auch unseren Bus vom Morgen) sehen, die alle versuchen, möglichst schnell zu einem bestimmten Platz zu gelangen, dem angesteuerten Landeplatz. Faszinierend, über Sprechfunk wird abgestimmt, in welcher Reihenfolge und wo welcher Ballon auf dem Platz gelandet werden soll. Alle Ballons sind plötzlich wieder zusammen. Letzte Anweisungen vor der Landung: Setzen, festhalten, Kameras auf den Boden. Ian bringt den Ballon in Landeposition. Hilfreiche Hände strecken sich uns entgegen, um den Korb festzuhalten und sicherzustellen, dass der Ballon gleich nach der ersten Bodenberührung fest verankert werden kann. Wir landen so sanft, wie wir gestartet sind und – keine Spur von Erleichterung – wollen es gar nicht wahrhaben, dass schon alles vorbei ist (fast).

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Es ist vorgesorgt, jetzt in der warmen Morgensonne. Ian und seine Crew sind schon wieder in ihrem Element, um das Erlebnis perfekt und in style abzuschließen: Es gibt gekühlten Champagner, frische Früchte, Gebäck; Klappstühle aus Teak mit Leder einschließlich Patina, ausgepackt aus Leinensäcken. Wer sagt da, die britischen Kolonialzeiten seien vorüber? Wer fühlt sich nicht mitten in „Jenseits von Myanmar“.

Wir toasten uns zu. „Soft Landing“ lautet an dieser Stelle der richtige Trinkspruch, belehrt uns Ian.

Warum geht bei einer Ballonfahrt nix ohne Champagner?

Ian hat natürlich seine Erklärung: Beim ersten Ballonflug der Montgolfieres, bei dem die Heißluft mittels Holzfeuer (!) erzeugt wurde, stellte man bei der Landung fest, dass man zwar Champagner dabei hatte, aber kein Wasser zum Löschen des Feuers. So wurde der Champagner nicht zum Feiern sondern zum Löschen des Feuers benutzt.

Eine nette Anekdote, um sich endlich wieder einen guten Schluck zu gönnen; im Einzelfall auch mehrere, da unser Bus ja wartet und im Tageslicht weitere Mängel sichtbar werden.
Die wenigen, handverlesenen Souvenierverkäufer, die unaufdringlich in gebührendem Abstand warten (müssen), werden von Ian namentlich vorgestellt. Davon ist ein Friseur aus New York so nachhaltig beeindruckt, dass er sich beim Souvenierkauf für Nichts entscheiden kann und die Gäste abstimmen lässt, was er kaufen soll.

Ians weitere Amtshandlungen: Bilder aus der Kamera in das iPad laden, herumzeigen und Bestellungen entgegennehmen, Zertifikate für die Überlebenden des Flugs signieren, etc. es ist an alles gedacht, einfach perfekt. Inzwischen sind die Ballons zusammengesunken, das gesamte Fluggerät abgebaut und auf LKWs verladen; ebenso das Picknick. Es ist geradezu auffällig, wie sorgfältig und gewissenhaft alle arbeiten, das war schon vor dem Start so.

Die Karawane zieht weiter, wir hinterlassen keine Spuren

Wir waren dem Massentourismus für kurze Zeit entronnen. Das Unternehmen expandiert erfolgreich, hat inzwischen wohl 200 Mitarbeiter, zahlt ihnen bei 6 Monaten Beschäftigung 12 Monatsgehälter. Glück nicht nur für die Touristen?

Unser Bus bringt uns glücklich zurück zum Hotel, zum Frühstücksbüffet (im Übernachtungspreis enthalten). Wir haben Unvergessliches erlebt und Viel zu erzählen.

Haben Sie nun auch Lust darauf bekommen, Myanmar zu bereisen und einen Ballonflug über Bagan zu machen? 

Das Land gehört zu den spannendsten Zielen für Asia Reisen und verspricht authentische Erlebnisse, abseits der ausgetretenen Pfade! Unsere Reiseberater helfen Ihnen gerne bei der Planung Ihrer Traumreise! Eine Mail genügt!

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